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     am Flugplatz Schwabach-Heidenberg (EDPH)
 

Beim Lima handelt es sich um einen zweiwöchigen Lehrgang zum Thema Streckensegelflug. Die Flüge werden jeweils in Teams von 2-4 Flugzeugen durchgeführt. Neben diesem praktischen Teil werden auch Theoriestunden und Referate gehalten, um z. B. das richtige Verhalten bei Außenlandungen zu verinnerlichen oder auch einfach um das Vorwärtskommen im Streckenflug zu optimieren.

Schwabach an sich ist ja eigentlich ein gemütliches kleines Örtchen, dessen einziges Manko es ist, direkt südlich von Nürnberg und damit an einer für Segelflieger ziemlich unpraktischen Kontrollzone zu liegen. Doch vom 01. bis 12. August 2005 war der ganze Ort in Aufruhr. Eine ältere Dame fühlte sich in Ihrem Häus nicht mehr sicher (vielleicht auch aufgrund böser Erlebnisse in Ihrer Vergangenheit), denn mehr als ein Dutzend Segelflugzeuge krallten sich krampfhaft in den letzten Bart, der blöderweise genau über Ihrem Austragshäuschen stand. Der Verkehr in der Ortschaft kam teilweise zum erliegen, weil kollonenweise ausrückende Rückholmanschaften die für diese Beanspruchung nicht geschaffenen Straßennetze überlasteten. Aber ich fange mal ganz von Vorne und vor allem aus der Sicht der beiden Teilnehmer der Fluggruppe Neuburg, Stephan und Werner an.




31. Juli - die Anreise

Nach der dank PDA-Straßennavigation problemlosen Anfahrt schlugen wir erst einmal unser Lager am Flugplatz auf. Hänger für unsere DG-300 "H4" in Parkposition bringen, ein schönes Plätzchen für's Zelt suchen- alles kein Problem, wenn man als Erster da ist :-). Die Befürchtung, dass der Tag langweilig werden würde, bestätigte sich nicht, ganz im Gegenteil. Wir durften nämlich gleich noch mit einer DR-400 nach Eichstätt mitfliegen und einen Anflug "durch", bzw. knapp über den Wald Richtung 290° erleben. Wieder zurück in Schwabach gings dann noch in den örtlichen Biergarten, um die angespannten Nerven zu beruhigen und sich auf den nächsten Tag zu freuen.



01. August - Einweisungsflüge

Der Tag begann mit Frühstücken und dem Aufbauen des Briefing-Raumes zur Vor- und Nachbesprechung der folgenden Flugtage. Dank des -noch- spitzemmäßigen Wetters konnten alle Einweisungsflüge und auch einige Thermikflüge mit dem in Schwabach beheimateten Janus, der "Bayern Yankee" - dem Duo Discus des LVB - und eines vom SFV Geratshof mitgebrachten Twin Astirs durchgeführt werden. Die Flüge zogen sich bis spät in den Abend hinein, und so verkrochen sich die Teilnehmer nach der spitzenmäßigen Verpflegung (die auch die restlichen Tage so bleiben sollte) und einer kleinen Runde im Fliegerheim recht schnell in Ihre Zelte.



02. - 03. August - mieses Wetter

Dank Regen ohne Ende konnten wir an diesen beiden Tagen nicht fliegen. Aber dafür wurde der restliche Lehrgangsverlauf durchorganisiert und die ersten Referate der Teilnehmer abgehalten. Dank intensiver Motivationsarbeit durch die Trainer konnten an jedem Lima-Tag Referate stattfinden, die größtenteils sehr informativ waren. Nach Theoriebesprechung am Vormittag musste dann ein Alternativprogramm her - und so ging's ab nach Schwabach zum GoKart-Fahren!




04. August - endlich fliegbar!

 

Die Tagesaufgabe des 04. August war aufgrund der nicht so prikelnden thermischen Verhältnisse und des damit verbundenen Außenlanderisikos einfach "freier Flug im Team". Am Schluß kamen dabei dann Strecken bis zu 200km heraus, aber eines der drei Teams saß auf dem Acker und somit konnten einige schon ihre ersten Außenlandeerfahrungen sammeln.

Während im Hintergrund noch zurückgeholt wird, lassen sich die Trainer bereits das Abendessen schmecken :-).




05. August - Dreieck mit 150km

... und danach freier Streckenflug. Alle Teams bewältigten die gestellte Aufgabe - auch wenn ein paar Thermikkreise einiger technisch besonders gut ausgestatteter Teilnehmer nicht da waren wo sie eigentlich hingehören, aber das erläutern wir nicht genauer.

Synchroner geht's nimmer.

 



06. August - Höhentrog

Ein Höhentrog als solcher ist bei Segelfliegern nicht sehr beliebt, kommt er doch mit Regen und Wind und macht somit die Thermik kaputt. Erst gegen Nachmittag lockerte die Bewölkung auf und die Aufgabe für den heutigen Tag lautete dann, in 90 Minuten so viele Höhenmeter wie möglich zu sammeln. Mit durchschnittlich 2000m kam dann am Ende ein respektabler Wert heraus. Die anschließende Landung von über 10 Segelfliegern innerhalb relativ kurzer Zeit hatte ihren ganz eigenen Lehrfaktor :-). Der bereits oben angesprochene Pilot vergaß die Existenz seiner Bremsklappen und nutze die ihm zur Verfügung stehenden ~500 Meter Bahn komplett aus.
Leider begann an diesem Tag ein mehrtätiges Technikproblem an unserer DG-300 inkl. Varioausfall und Funkstörung, dass uns die nächsten Flugtage ein wenig behinderte. Erst nach mehreren Reparaturläufen bekamen wir die Sache einigermaßen in den Griff.




07. August - Gewitter

 

Leider unfliegbares Wetter. Also stand Flugzeugreparatur, Theorieunterricht und das allseits beliebte GoKart-Fahren auf dem Programm. Die Rundenzeiten wurden im Lehrgangsverlauf immer besser :-).

Speed Speed Speed...
Manchem Trainer wurde schwarz vor Augen!




08. August - F4F Phantom

The same (weather-)procedure as every day. Im Zelt waren es diese Nacht +5°C - genug, um diverse Gesichtsteile taub zu machen!

Das Alternativprogramm für heute war die Besichtigung des Phantom-Flugsimulators bei uns in Neuburg. Jeder durfte mal eine IFR-Platzrunde drehen und meistens wäre der nach der "Landung" entstandene Schaden am Flugzeug sogar noch zu reparieren gewesen.




09. August - Haben wir eigentlich noch Sommer?

Im Nachhinein betrachtet sieht man ja alles ein wenig positiver, aber die Stimmung war teilweise schon etwas am Boden wegen des anhaltend schlechten Wetters. Ab 15:00 Uhr konntem wir endlich fliegen und die posivie Meldung des Tages lautete: Unser Segelflieger hat seine technischen Krankheiten überwunden und ist für die letzten Lehrgangstage voll funktionstüchtig!

Teamflug über die Fränkische Seenplatte.

 



10. August - Wetterbesserung

Das Wetter besserte sich im Laufe des Tages - aber nur im Vergleich zu den vorhergegangenen miesen Tagen. Die Leistungsflugzeuge ließen wir im Hänger und statt dessen gabs einen fliegerischen Leckerbissen: Die Fliegervereinigung Schwabach stellte uns ein Grunau Baby III und einen Specht zum historischen Segelfliegen zur Verfügung! So wurde der Tag trotz des anfänglich schlechten Wetters doch noch gerettet.

Vorne das Grunau Baby III.
Hinten der Duo Discus, der sich bei den Janus-geschädigten Schwabachern großer Beliebtheit erfreute :-).

 



11. August - Hammerwetter?

 

Der Segelflugwetterbericht versprach DAS Spitzenwetter. So wurde ein 304km-Dreieck ausgeschrieben, die Teams wurden gebildet und es ging los. Leider hielt sich das Wetter nicht ganz an die Vorhersage und am Nachmittag setzte eine hereinziehende Abschirmung den Streckenflügen ein vorläufiges Ende. Zwei Flugzeuge mussten ihren Endanflug auf dem Militärflugplatz Roth vorzeitig abbrechen - Stephan mit der DG sowie Trainer-Stefan mit dem Janus. Dank der spitzenmäßigen Kooperation der Flugplatzverwaltung gestaltete sich die Rückholung der Flugzeuge aber nicht als Problem.

Ein Mann sieht Roth.




12. August - letzter Tag

Wettervorhersage für heute: Gewitter. Doch zu unserem Glück hatte die Vorhersage wieder nicht recht und es konnte nochmal ein für die vielen Regentage entschädigender Streckenflugtag werden. Am Anfang bildeten sich zwar viele TC's und CB's, die aber glücklicherweise so gegen zwei Uhr Nachmittags in sich zusammenfielen. Also war am Anfang des Tages bombige Thermik (150 km/h mit Klappen unter der Wolke, um die Höhe zu stabilisieren), dann am Nachmittag einzelne Regenschauer und vielfach sehr schwache Bärte. Nach Überbrückung dieser Thermikpause durch alle Teams in einem noch vorhandenen Thermikschlauch über Weißenburg konnten wir bis zum Abend fliegen und dann mit viel Fingerspitzengefühl den Endanflug antreten.

Gerade aus einem kleinen Regenschauer ausgeflogen.

 



Resumé

Die Organisation des Lima war wirklich Erstklassig. Die Fliegervereinigung Schwabach stellte uns praktisch das gesamte vorhandene Material von den Trainern über Janus bis hin zur Werkstatt zur Verfügung. Das Essen war Spitze, die übrige Infrastruktur auch. Ein großes Dankeschön geht auch an die Trainer, vor allem an Georg Schulte, der sehr kurzfristig eingesprungen ist und das Ganze trotz der schwierigen Umstände sehr lehrreich und interessant gestaltet hat. Ein Dankeschön auch von uns an alle Teilnehmer für das faire Fliegen und die lustigen Abende! Einziger Wehmutstropfen war leider das nicht immer spitzenmäßige Wetter, aber trotz allem war der Lima 2005 ein spitzenmäßges Training und in Anbetracht der Umstände sind die über 8000 geflogenen Kilometer auch nicht schlecht.

Lima 2005 - das war Klasse!

Stephan & Werner