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"Breschtlings-Gselz und
                  Grombkira-Salat"

- eine Woche auf dem Farrenberg

Es waren einmal 2 Piloten aus dem schönen Neuburg in Oberbayern, die sich vornahmen die „frontier“ zu erweitern - und zwar bis zum Farrenberg südlich Stuttgart in der Nähe von Tübingen, also mitten im „schwäbische Ländle“ auf der sogenannten Schwäbischen Alb.

Los gings am 08.08.2005. Mit unserem Duo im Gespann machten wir uns auf die Reise auf den Farrenberg. Dort war die erste Hürde nur mal auf den Flugplatz zu kommen: die Straße, die auf den Flugplatz (Farrenberg, 805m hoch) führt ist so abartig schmal, dass immer nur ein Auto gerade so auf die Straße passt. Noch hinzu kommt die enorme Steigung, schätzungsweise fast 90 Grad… na ja ok nicht ganz aber fast.

Nachdem wir oben mit viel weniger Gummi auf den Reifen angekommen waren, wurden wir herzlich empfangen und erstmal als „Ausländer“ identifiziert da wir der Sprach des Farrenbergs in keinster Weise mächtig waren. Wir konnten weder in der Sprache sprechen geschweige denn sie zu verstehen!

Dann bauten wir unser Zelt auf und es wurde, wie an allen anderen Tagen, am Abend gemeinsam gekocht und mit Hilfe von einigen Bierchen wurde die Sprachbarriere gebrochen und wir verbrachten noch einen schönen Abend mit Lagerfeuer, Bier und ganz ganz viel Schwäbisch.

         

1.Tag: Dienstag, 09.08.2005

Wie immer ging es in der früh sehr früh los, jedoch ganz tief. Start war um 11:24 local. Die Thermik war in der Früh mäßig und die Wolken sehr tief, d. h. wir mussten immer kämpfen, damit wir unseren Rasenmäher nicht ausfahren mussten. Die ersten 2 Stunden waren eigentlich ein Hangflug mit Bodenerprobungs- und Erkennungsmerkmalen.

Wir entschieden uns in Richtung Südwesten zu fliegen, via Rottweil und Klippeneck zum Bodensee. Dieses erste Stück ging bis auf ein paar kleinere Tiefflüge ganz gut. Die Wolkenuntergrenze stieg auch schön kontinuierlich an, bei der ersten Wende am Bodensee war sie dann schon bei 1200 Meter über Grund. Dann ging es weiter die Alb hoch - „einfach mal da hinfliegen wo die Wolken stehen“ war unser Motto an diesem Tag - wie auch an den anderen ( sieht man glaub ich auch an den IGC-Files). Die zweite Wende machten wir dann bei Gundelfingen. Dann lief es immer besser.

Das zweite Mal „Alb Reiten“ ging dann wieder Richtung Südwesten. Dieses Stück war das beste des Fluges. Eine wunderschöne Wolkenstraße nach der anderen und Steigwerte bis 5 Meter und oft auch 4 Meter im Geradeausflug. Und eigentlich nie unter 150 km/h. Da ging dann wirklich was!!!!!!
Dann mussten wir leider wieder umdrehen, da der Züricher Charly im Weg war und eh schon ein 320 und ein Jumbolino der Swiss über uns geheizt waren.

Als letztes Stück flogen wir dann noch bis nach Laupheim und zu unserem Entsetzen entdeckten wir eine richtig eklige milchige Suppe, die aus unerklärlichen Gründen plötzlich den Himmel abdunkelte…. Kein Vogel flog mehr, die Leute waren in den Häusern, das Militär war ausgerückt, Straßen wurden gesperrt doch wir waren noch in der Luft…. Wir holten das „QRH = Quick Reaction Handbook“ raus und arbeiteten die „abnormal procedures“ Checklisten ab welche dann nach langer stressiger Arbeit folgendes Ergebnis hatte: MOTOR RAUS!!!!

Und man kann nicht sagen wir hätten nicht alles gegeben… dann sind wir die restlichen Kilometer nach Hause getuckert und sind dann schließlich um 17:20 Uhr auf den Farrenberg (der Anflug war genauso spannend wie die Fahrt hoch) angekommen. Am Abend beim Auslesen dann die Freude: über 500 km!!!

       

2.Tag: Mittwoch, 10.08.2005


Gleiches Verfahren wie am Tag davor -nur noch tiefere Basis. An diesem Tag haben wir sogar mal als verwöhnte Neuburger einen Streckenflug aus der Winde begonnen und es hat wunderbar funktioniert!
Unsere Höhen waren auf dem ersten Schenkel Richtung Klippeneck alles zwischen 300 und 900 Meter über Grund, wobei wir die meiste Zeit so in 500 Meter waren.

Von der Flugstrecke her sind wir an diesem Tag ein Ei mit vielen Ecken geflogen. In der Nähe von Illertissen hatten wir noch einen super Bart bis auf 1600 Meter über Grund. Dann kam NICHTS mehr bis auf 300 Meter einfach NICHTS mehr. Dann mal wieder Checklisten abarbeiten und das tuckern ging los.

Und wie es immer ist: „Ist der Motor einmal an, nimmt dich die Thermik dreckig ran“- Übersetzt: Kaum war der Motor draußen, hatten wir wieder einen Bart. Dann gings bei nur noch sehr mäßiger Thermik weiter und das ganze noch einmal als Zugabe für alles Fans!!!

Dieser Tag war nicht so der thermische Burner, hat aber trotzdem Spaß gemacht!!! Insgesamt dann 207 km.

       

3.Tag: Donnerstag, 11.08.2005

Gleiches Spiel: in der früh wieder sehr tief. An diesem Tag war das Wetter für die Alb nicht gut vorausgesagt gewesen und so war es dann auch. Alles komplett blau.
Dann entschieden wir uns einen „Schwarzwald Express“ zu starten. Schwarzwald hin, Schwarzwald her, wieder hin, wieder her….aber leider war der Schwarzwald das einzigst fliegbare Gebiet an diesem Tag. Die Thermik war an diesem Tag zwar nur im Schwarzwald, aber dafür gut!!! Durch die unzählbaren Schenkel, mit denen SeeYou absolut überfordert war, kamen dann am Schluss nur noch 305 km raus.

Der Fliegerurlaub bei den Schwaben war wunderschee!!!
Die Leute waren super nett, das Bier war gut, das Essen auch, die Frauen auch :-) - und so neben bei: das Fliegen war auch net schlecht. Es waren zwar leider keine "brontalen Hammertage", aber wenn man das Wetter in Nordbayern zur gleichen Zeit angeschaut hat (bzw. die Lima Leute haben es ja Live miterlebt) können wir sehr zufrieden sein.

Die Atmosphäre war wirklich super. Wir haben am Abend immer zusammen gekocht, Volleyball gespielt, Lagerfeuer, Bier, Bier, Bier und riesige Sternschnuppen zusammen bewundert.

Unser DUO T war unserer treuer Freund und hat uns oft geholfen. - "Es ist halt einfach subba, wenn man zu einem anderen Platz fährt und sich nie um einen Rückholer kümmern muss und immer weiß man kommt wieder nach Hause!“

Der Farrenberg war voll GEIL, da müssen wir wieder hin!!!!

Die zwei Bayern in Schwaben, Andi und Domi

PS: Breschtlings-Gselz ist Erdbeermarmelade und Grombkira-Salat ist Kartoffelsalat.
(für alle Nicht-Schwaben)