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Im Segelflieger über die Alpen

Neuer Erfolg im Streckensegelflug für die Fluggruppe Neuburg: 584 km in 7 Stunden zurückgelegt

Zwei Segelflugpiloten der Fluggruppe Neuburg konnten in den Alpen einen erlebnisreichen Segelflug durchführen. Am Dienstag den 21.06.2005 konnten die beiden Piloten Dominik Neumaier und Andreas Gottfried eine Strecke von 583 km im reinen Segelflug mit dem Hochleistungsdoppelsitzer „ Duo Discus“, welchen die Fluggruppe Neuburg erst im September 2004 erhalten hat, fliegen.

 

Obwohl der Wetterbericht eher mäßiges Flugwetter vorhergesagt hatte, waren die „Cracks“ der Alpenfliegerei des Eschenloher Vereins (Kreis Garmisch-Partenkirchen) durchaus optimistisch. Am ersten der beiden guten Flugtage wurde vorausgesagt, dass von Osten her labile Kaltluft einfließen sollte. Schon um 10.00 Uhr konnte man dann schließlich die ersten Wolken Richtung Osten erkennen. Start war um 11.23 Uhr, recht viel früher wäre an diesem Tag aber auch nicht möglich gewesen. Hans Sperl ( siehe auch OLC von den Werdenfelser Segelfliegern) war als erster um 10.45 gestartet und musste es dann leider noch mal probieren. Geschleppt wurden wir über die „Mittagspitz“ östlich vom Platz. Anschließend ging es dann sofort Richtung Osten: Heimgarten, Herzogstand, Benediktenwand und vorbei an Geitau. Dort hatte uns dann der „Mek“ aus Eschenlohe mit seiner ASH 25 eingeholt: für den Weiterflug hatten wir schon einen Bergführer, und plötzlich kam man sich im Teamflug ( Duo und ASH 25) vor, als hätte man eine Ka 8. Wir merkten schnell, dass das Kurbeln nicht zu Mek’s Lieblingsbeschäftigungen gehört. Weiter ging es dann vorbei am Wilden Kaiser in Richtung Steinernes Meer. Die Steigwerte wurden dann ab dem Kaiser gut, jedoch waren die Bärte wegen dem starken Wind meist neben den Wolken, dennoch oft 3m - 3,5 m integriert. Dann war Südkurs angesagt: Mek wollte auf die von Cumuluswolken gekennzeichnete „Südseite“. Bei Schwarzach überquerten wir dann den Alpenhauptkamm und kamen dann ein bisschen ins Schwitzen, weil wir durchs Lee mussten und das Vario an der „5“ ( die untere 5) klebte. 2500 m können in den Bergen doch ganz schön wenig sein. Bei Lienz brauchten wir dann ca. 45 Minuten, bis wir uns wieder auf 3800 m hochgearbeitet hatten. Und das war wirklich „Schwerstarbeit“. Mek flog dann auch mit Thermikproblemen weiter nach Bruneck und überquerte den Hauptkamm beim Brenner, wir überquerten ihn schon in Höhe Großer Glockner und flogen dann über den „Pinzgauer Spaziergang“ heim in Richtung Eschenlohe. Am Ende kamen bei diesem Flug 375 km heraus, vom Erfahrungswert war der Flug aber weit viel mehr. Bei viel Wind und zerrissenen Bärten kann es einen im Gebirge sehr schnell herunterwaschen. Da der Flugplatz Lienz aber immer in unserer Reichweite war, war keine Gefahr geboten, trotzdem ein mulmiges Gefühl, wenn der Höhenmesser 2500 m anzeigt, und neben einem 3500 m hohe Berge sind...

 

Der Wetterbericht hatte für den nächsten Tag ich zitiere: „mäßige Blauthermik“ vorausgesagt. Doch das erste was Hans Sperl in der früh zu uns sagte war:“ Jungs, heid is a Engadinwetter für eich!“

 

Cool, sofort alles hergerichtet und los gings. Geschleppt wurde heute,wegen dem Abflug nach Westen, über das Ettaler Mandl, 1000 m über Platz. Dort ging es mehr oder weniger gut hoch und dann sofort weiter über die Notkarspitz zur Kramerspitz, wo die Thermik noch nicht so aktiv war. Dann weiter zur Thermikstation „Daniel“ nordwestlich der Zugspitz. Dort kamen wir deutlich unter Hangkante an, doch hatten dann dort unseren ersten guten Bart mit 3,5 m integiert. Dort konnten wir die Anflughöhe für den Venetberg erreichen, welcher uns als nächstes hochbringen sollte. Am Venetberg konnten wir dann wieder mit gutem Steigen bis auf 3600 m, wir ließen Imst und Landeck hinter uns und der Einflug ins Engadin war gesichert. Die Optik Richtung Westen war sehr gut, die von der Sonne beschienene Südseite der Berge Hexenkopf und Muttler ( Samnaungruppe) waren durch dicke Cu-Wolken gekennzeichnet, unter denen es sehr gut mit 4m bis 4,5 integiert ging. Dann weiter zum Piz Nuna, von wo man schon Samedan sehen konnte, 21 km. Dort konnten wir die größte Höhe des Fluges erreichen, 4200 Meter. ECHT GEIL!!! Da aber eine DG 300 aus Eschenlohe kurz vorher in Samedan gelandet war, und der Weg dort hin sehr blau war, entschlossen wir uns zum Umkehr und zum Weiterflug nach Osten. Der Alpenhauptkamm war schön mit Cu-Bewölkung geschmückt. Auf dem Weg nach Zell am See überflogen wir die Täler: Kaunertal, Pitztal, Ötztal, Stubaital und schließlich noch den Brenner. Landschaftlich natürlich ein Highlight: die eisbedeckten Gletscher, riesige Geröllfelder und Massen an Schnee und Stein. Vor allem die Skigebiete mal aus der Vogelperspektive zu erblicken war ein ganz besonderes Erlebnis. Thermisch gesehen war der Alpenhauptkamm aber nicht so gut wie er ausgesehen hatte: oft verzweifeltes Suchen unter oder neben der Wolke, und dann plötzlich im blauen einen kräftigen Schlag und 2 bis 3 m, mehr war am Hauptkamm nicht drin. Nachdem wir das Zillertal und Mayrhofen hinter uns gelassen hatten, ging es weiter zum Gerlospass und zu den Wasserfällen von Krimml. Von dort aus war das Ziel Zell am See schon in Sicht. Da jedoch noch viel versprechende Quellwolken im Osten zu sehen war, wurde die Strecke noch bis nach Schwarzach erweitert, wo dann schließlich die Heimreise von 160 km angetreten wurde. Der Weg zurück erfolgte dann wieder über den Alpenhauptkamm und die Kitzbühler Berge. Jetzt musste wir nur noch die Kontrollzone Innsbruck durchqueren, was sofort von dem freundlichen Tower- Lotsen genehmigt wurde. ( Der arme Kerl hat sich echt den Mund mit Freigaben für Segelflieger fusslig geredet, aber trotzdem immer sehr freundlich!)Als dies geschafft war, war nur noch das Karwendel -Gebirge zu überwinden. Auf Grund der großen Höhe ( 2800 m) konnte wir die Strecke bis zum Starnberger See erweitern und dann sicher nach 7 Stunden und 37 Minuten in Eschenlohe landen.